Archive for November, 2012

CD-Review: Mistur – Attende

Nov
26

Wer irgendwo in einem norwegischen Fjord die Augen schließt, kann sie vielleicht noch hören. Die Stimmen einer längst vergangenen Zeit, als die Erde noch voller Mystik steckte und für Heldentum noch Platz war. Mistur möchten uns davon erzählen. Es geht auf Norwegisch um nordische Götter und sie klingen wehmütig und sehnsuchtsvoll dabei. Ein Schauspiel voller urtümlicher Magie wird inszeniert, das weit vom Wikingerkitsch anderer Pagan Metal Bands weg ist.

 

Die stark dominierende Leadgitarre wird zum Märchenerzähler. Dagegen wirkt das Growling des untergeordneten Sängers monoton, was aber nicht weiter schlimm ist. Er ist der Protagonist von damals, durch den Spiegel der Zeiten ins kaum mehr Menschliche verzerrt. Die Wikinger auf dem Cover dieses Debütalbums scheinen ebenso zum Waldufer zu gehören wie der Nebel und die Nacht. Sie sind womöglich genauso flüchtig, sie sehen uns nicht an. Diese Distanz zum Erzählten ist stets spürbar und sorgt für eine grundlegende Melancholie.

 

Das Schlagzeug generiert stets passende Hintergrundatmosphäre, begleitet im unaufgeregten Midtempo oder ergeht sich in Black Metal Blast Beats, zeigt uns Erschütterungen der Welt, die bis heute nachhallen. Das Keyboard tritt gelegentlich als zweites Melodieinstrument oder auch zur atmosphärischen Untermalung auf. Dabei setzt es immer wieder überraschende Akzente, gebietet den stürmischen Gitarren kurz zu schweigen und lädt zum verträumten Nachsinnen ein. Neu ist das alles nicht, erinnert der Stil doch stark an die norwegischen Landsleute Windir, was Fans jedoch kaum stören dürfte.

 

 

Slaget

 

Nach einem kurzen bedrohlichen Intro reiten Mistur direkt durch Berg und Fjord in die Schlacht (norwegisch Slaget). Sie sind dabei eher melancholisch als kampfeswütig, verspielte Melodien legen einen märchenhaften Schleier über die Gräueltaten aus alter Zeit. Ein verschwommenes Zwischenspiel auf dem Keyboard und schon wird das klassische Schlachtengemälde mit den selben Themen abgerundet, mit denen es begonnen hat.

 

Svartsyn

 

Erhabene Raserei wird mit flächigem Keyboardsound bis zum Pathetischen gesteigert. Schließlich überraschen Mistur mit ätherischem Frauengesang, der zum verträumt-hypnotischen Schlussteil überleitet. Eine Abfindung mit dem Unvermeidlichen, die letzte Stufe des Schwarzsehens (Svartsyn).

 

Armod

 

Die Armut (Armod) ist ein überzeitliches Problem. Ein fast tänzerisches, ruhigeres Stück,  dessen beschwingt düsteres Klavier fast an Eisregen erinnert. Die verletzliche Seite Misturs gipfelt schließlich in einem Teil mit Akkustikgitarre und cleanem Gesang.

 

Skuld

 

Eine epische Hymne zur Ehre der Norne Skuld. Beinahe kann man dieser mächtigen Frau beim Weben des Schicksals zusehen, wiegend und elegant bringt sie die Gefallenen nach Walhalla, ein Thema mit vielen Variationen.

 

Mistur

 

Große, gediegene Melodien tragen diese instrumentale Selbstfindung. Die „Unreise“ (Mistur) beginnt und endet zart, ist dafür aber umso ausufernder und reichhaltiger in der Mitte, es kommt ein wenig die Stimmung von epischen Equilibriumsongs auf.

 

Skoddefjellet

 

Geradezu pompös beginnt diese Beschreibung des Nebelbergs (Skoddefjellet). Der Titeltrack der vorangegangenen EP offenbart uns mit den inzwischen gewohnten Mitteln ein Naturschauspiel, das mal einfach anmutig, mal vom Spuk heimgesucht wirkt.

 

Attende

 

Abwechslungsreich und opulent präsentieren Mistur in diesem fast dreizehnmütigen Epos noch einmal ein dramatisches Kapitel aus alter Zeit vom Kampf König gegen König und von der Vergeblichkeit des Krieges. Und schließlich kommt mit gleißendem Licht aus Tönen die größte Tragik zum tragen. Die Mutter sitzt auf dem kalten Berg und erfährt, dass er das achzehnte (attende) Jahr nicht erreichen wird.

 

 

Fazit

 

Wer die melancholische Seite des Folk Metal schätzt und etwas anderes sucht, als die übliche Party Musik, ist hier genau richtig. Komplexe Lieder mit eigentümlicher Stimmung und viel Variation sollten jeden begeistern, der sich gern von Musik in andere Welten tragen lässt. Selbst in ihren aggressivsten Momenten klingen Mistur noch melancholisch. Ein wertvolles Stück Metal, drastisch aber in sich harmonisch. Diese Musik ist nichts zum Mitsingen und nicht übermäßig hart, aber voller großer Bilder.

Heidenfest 2012

Nov
19
Alle Jahre wieder macht die Heidenfest-Tour Halt in München und das Backstage öffnet seine Tore! So auch wieder vergangenen Mittwoch, an Halloween! Diesmal dabei waren:
KRAMPUS
TROLLFEST
VARG
KORPIKLAANI
und WINTERSUN!
Den Anfang machten die jungen Italiener vom KRAMPUS. Geboten wurde uns hier ein stark an ELUVEITIE erinnernder Sound gepaart mit Einflüssen aus der (und jetzt kommt’s!)  Core-Sparte. Da spielten die doch tatsächlich einen Breakdown. Und das ohne China-Becken. An und für sich eine recht feine Sache, wäre da nicht dieses Keyboard gewesen welches neben recht stimmigen Flöten, Dudelsäcken und Violinen relativ penetrant unpassende, elektronische Sound dazwischen dudelte. Beim nächsten Mal bitte ohne, ansonsten ein annehmbarer Auftakt!
Die zweiten im Bunde waren die Gestörten von TROLLFEST. Im Bienenkostüm und sichtlich nicht mehr nüchtern betraten sie die Bühne und legten los. Die Band gibt sich viel Mühe, jeder von ihnen ist voll (dabei) und es war eine gute Stimmung in der Halle. TROLLFEST spielen einen Mix vieler Metal-Stile den man letztendlich wohl grob als Folk-Metal bezeichnen könnte, die Texte sind ein Kauderwelsche aus diversen skandinavischen Sprachen und Deutsch. Mir persönlich fehlt bei den Songs der Band immer die Klimax aber die Stimmung haben sie auf alle Fälle super rübergebracht!
Als nächstes waren VARG an der Reihe. Ich muss gestehen, auf die freute ich mich am meisten, vor allem auf die Songs vom neuen Album „GUTEN TAG“. Und sie haben mich nicht enttäuscht – obwohl die Band bekanntermaßen ihre Hater hat war das Backstage proppenvoll, die Stimmung am Kochen. Bei den ersten paar Songs hat zwar der Mann an den Reglern wohl etwas gepennt, der Gesang war viel zu leise, aber das gab sich mit der Zeit. VARG spielten hauptsächlich Songs von der neuen Scheibe aber auch den ein oder anderen von „BLUTAAR“ und „WOLFSKULT“.  Und natürlich ließen sie sich auch das Featureing mit Jonne von Korpiklaani bei „A thousand Eyes“ nicht nehmen – gut gelaunt kam dieser auf die Bühne und sang beherzt mit. Alles in allem ein sehr gelungener Auftritt!
Die vorletzte Band des Abends war KORPIKLAANI. Ich muss zugeben ich habe sie schon (zu) oft gesehen, nachdem was ich mir dieses mal noch gegeben habe zu urteilen kann ich aber sagen dass sie sich gebessert haben: Irgendwie klang das ganze sauberer und organischer als bei den bisherigen Konzerten bei denen ich dabei war. Sänger Jonne konnte sogar noch halbwegs gerade stehen. 😉 Wobei es letztendlich egal gewesen wäre: Die Partystimmung erreicht bei Korpiklaani sowieso immer ihren Höchstand und die Leute waren dementsprechend drauf.
Das Schlusslicht des Heidenfests 2012 bildeten WINTERSUN. Gerade haben sie ihr langersehntes zweites Album „Time I“ herausgebracht und für viele war die Band um Ex-Ensiferum-Fronter Jari wohl der Höhepunkt des Abends. Und das zu Recht. WINTERSUN ist eine Band von der man sich als Musiker, zumindest technisch, auf jeden Fall eine Scheibe abschneiden kann. Nahezu perfekt spielte die Band ihre Songs herunter. Und dabei schafften sie es auch noch die Leute vollkommen mit sich zu reissen. Zumindest der Bereich direkt vor der Bühne stand total im Bann und die meisten hätten sich wohl gewünscht es würde niemals enden! Kurz nach Mitternacht war dann allerdings leider Sense.
Ein absolut würdiger Abschluss dieses Abends!

CD-Review: Varg – Guten Tag

Nov
8
 Mit knapp einem Monat Verspätung wünsche auch ich einen GUTEN TAG! Der Anlass? Die jüngste Veröffentlichung unserer Lieblingswölfe von VARG!
 Eines Vorweg: Ich versuche die Musik vollkommen objektiv zu bewerten. Mich interessieren die modischen Vorlieben eines Herren S. nicht, so absurd sie auch gewesen sein mögen, mich tangiert es total periphär ob die Band sich, die Szene oder sonst irgendwen in irgendeiner Form verraten hat und am allerwenigsten lasse ich mich von diesem Onkelz-Effekt beinflussen. Wer das hier liest wird vermutlich auch wissen was mit letzterem gemeint ist.
 Zum Album also: Es hört auf den ungewöhnlichen Titel „GUTEN TAG“, beinhaltet 14 Tracks und hat eine Spielzeit von nicht ganz einer Stunde. Das Album ist fett produziert, es lässt sich angenehm hören, das Artwork ist schön und stimmig. Hier wurden keine groben Fehler gemacht.
 Aber nun zur Musik:
 Man merkt dem Album auf alle Fälle an, dass VARG nicht auf der Stelle treten wollen. Sie lassen sich von vielen anderen Bands & Genres beinflussen (böse Zungen würde sagen sie „klauen“) und probieren Neues aus. Was mir persönlich sehr gut gefällt, denn über weite Strecken sind diese Wanderungen auf fremden Gefilden durchaus gelungen.  So ist der Titelsong „Guten Tag“ recht aggressiv und grob ohne viel Gedudel gehalten, während „Wieder mal verloren“ (feat. Päde von Eluveite) eine recht eindeutige Tendenz Richtung Mittelalterrock a la In Extremo oder Saltatio Mortis mit einer Prise Berliner Oi!-Punk zeigt. „Was nicht darf“ weist Rammstein’sche Spuren auf und „Horizont“ ist außerhalb des Refrains ein echtes Death-Metal-Brett! Diesen Einflüssen stehen allerdings auch z. B. die klassischen Pagan-Brecher „Frei wie der Wind“, „Angriff“ und „Blut & Feuer“ gegenüber. Diese Songs zeigen trotz Weiterentwicklung noch ganz klar die Wurzeln der Band auf. Mein persönliches Highlight des Silberlings ist allerdings „A thousand Eyes“. Richtig gelesen: Englisch. Und das auch noch unter Mitarbeit von niemand geringerem als Jonne von Korpiklaani welcher sich hier gesanglich eingemischt hat. Ein sehr geiler Pagan-Song der jeden der behauptet VARG hätten sich verraten auf seinen Platz verweisen sollte.
 Lyrisch bewegt sich das Album von gewöhnlichem Pagan-Futter, über Abrechnungen mit Hatern und der Gesellschaft (welche sie teilweise wie Texte von Stephan Weidner lesen), bis hin zur Anklage gegen die Kirche wegen Kindesmissbrauchs. Eingängig sind die Texte auf alle Fälle weitestgehend. Geistigen Tiefgang würde ich dennoch nach wie vor woanders suchen.
 FAZIT:
 Abschließend kann ich sagen, dass mir die vielen neuen Einflüsse und die damit einhergehende Vielseitigkeit des Albums sehr gut gefällt. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Band diese gewonnen Einflüsse in Zukunft noch etwas besser in ihren eigenen ursprünglichen Stil verpackt, somit wieder mehr Eigenständigkeit gewinnt und vor allem den „Das ist doch von XYZ geklaut“-Schreiern die Luft nimmt. Alles in allem hat die Band hier ein solides Album abgeliefert und ich sage: Weiter so!

Tanzt! 2012

Nov
2

Auch dieses Jahr lockt das Tanzt!-Festival wieder mit einem guten Line-Up. Bands wie Ignis Fatuu, die Abschied von ihrem Sänger nehmen, Vroudenspil, die Lokalmatadoren, Folkstone, die ihre Fans busweise aus Italien mitbringen und natürlich Troll Bends Fir, die genialen russischen Humppametal machen.

Als Vorbands sind noch Furor Gallico aus Italien und Musica Immortalis aus München zu erwähnen. Der angeschlossene Mittelaltermarkt im Club wird von den Musikern The Real Mother Folkers beschallt.

Alleine dieses Line-Up ist schon den weiten Weg wert, aber dieses Jahr gibt es eine weitere Neuerung: Es findet im Backstage in München statt! Nachdem das Festival nun nicht mehr vom BB Events e.V. veranstaltet wird, konnte man es auch verlegen und nichts lag näher als das Backstage in München.

 

Nähre Infos und Kartenbestellung unter:

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